Mit dem Auto in den Supermarkt

Drive-Through bei McDonald’s

Viele Menschen mögen es bequem. Sie bestellen sich Kleidung im Internet, fahren sogar kurze Wege mit dem Auto und speisen gelegentlich im Fast-Food-Restaurant. Um dort nicht aus dem Auto steigen zu müssen, wickeln sie ihre Bestellung am Drive-Through-Schalter ab. Das Konzept existiert jedoch nicht nur bei Schnellrestaurants. In Deutschland gibt es beispielsweise auch Geldautomaten, die sich vom Auto aus bedienen lassen. Demnächst soll es sogar Supermärkte geben, in denen man nicht einmal während des Einkaufs das Fahrzeug verlassen muss. Womit allerdings eher nicht zu rechnen ist, ist ein Drive-Through-Casino, schließlich will man seine Spiele beim Online Roulette lieber in Ruhe genießen.

Ein praktisches Konzept

Für das Jahr 2019 ist die Eröffnung eines Supermarkts in Dubai geplant, der auf ein sehr innovatives Konzept setzt. Das Gebäude sieht von außen aus wie ein regulärer Supermarkt, verfügt aber über ein breites Einfahrtstor. Dort fahren die Kunden mit ihren Autos ein und stoppen drinnen an Haltepunkten, an denen sich Regale befinden. In diesen lagern Lebensmittel und Getränke, aber auch frische Backwaren, Obst und Gemüse. Per Knopfdruck lassen sich die Regale nach oben und nach unten bewegen. Der Kunde nimmt die ausgewählten Waren aus dem Regal und legt sie auf ein Band, das sich davor befindet. Über dieses laufen die Produkte zum Kassierer, der neben dem Regal in einem Kassenhäuschen sitzt. Nach dem Einscannen packt der Kassierer die Waren in Tüten, die er dem Kunden nach dem Bezahlen übergibt. Befüllt werden die Regale von Mitarbeitern des Supermarkts in einer Etage über dem Verkaufsraum. Der russische Erfinder Semenov Dahir Kurmanbievich hat den Supermarkt bereits zum Patent angemeldet, allerdings steht noch nicht fest, wann mit dem Bau begonnen werden soll. Auch ein konkreter Standort ist bislang noch nicht bekannt.

Baumarkt mit Drive-In
Quelle: Wikimedia

Kurze Geschichte des Drive-Throughs

In Deutschland hat die Fast-Food-Kette McDonald’s dem Drive-Through-Konzept zu Bekanntheit verholfen. Die erste europäische Filiale mit einem Fenster, an dem man vom Auto aus seine Bestellung abgeben und entgegennehmen konnte, war eine in der Nähe des Einkaufszentrums Breuningerland in Ludwigsburg. Sie wurde im August 1983 mit einem Drive-Through ausgestattet. Wegen der schwierigen Aussprache des englischen Wortes „through“ nannte Eduard Fehr, der Inhaber der Filiale, das Konzept „Drive-In“.

In den USA existierten zu dieser Zeit bereits einige Drive-Throughs bei McDonald’s. Das erste öffnete im Jahr 1975 in Sierra Vista im Bundesstaat Arizona. Viele Kunden waren Soldaten aus einer nahe gelegenen Militärbasis, die in Uniform nicht ihr Auto verlassen durften, weshalb der Betreiber des Schnellrestaurants auf die Idee mit dem Fenster kam. Heute werden etwa 70 Prozent aller Bestellungen bei McDonald’s in den USA per Drive-Through aufgegeben. Allerdings hat das Unternehmen das Konzept nicht erfunden. Schon im Jahr 1928 eröffnete die City Center Bank in einer ihrer Filialen das erste Drive-Through-Fenster der Geschichte. Bald darauf zog eine Niederlassung der Grand National Bank in St. Louis nach und ergänzte das Fenster um einen Briefkasten, in den die Kunden nachts Einzahlungen vornehmen konnten. Auch das Einkaufen von Lebensmitteln vom Auto aus wäre in den USA kein Neuland.

Anfang der 1940er-Jahre eröffnete eine Farmer-Familie in Kalifornien einen Service, bei dem sie Eier und Milch an vorbeifahrende Kunden verkaufte. Verschiedene Supermärkte ermöglichen es inzwischen auch in den Vereinigten Staaten, seine Lebensmittel im Internet zu bestellen und dann an einem Drive-Through-Schalter abzuholen. In Las Vegas ist es sogar möglich, dass Paare im Auto getraut werden. Und im Jahr 2009 hat ein Politiker aus Pennsylvania ein Drive-Through-Fenster eingerichtet, an dem Beamte behördliche Angelegenheiten erledigen. Die USA wären also ein prädestiniertes Land für Drive-Through-Supermärkte. Aber auch in Japan wäre das System denkbar: Seit Ende 2017 bietet ein Bestattungsunternehmen aus Nagano Trauergästen die Möglichkeit, vom Auto aus an der Zeremonie teilzunehmen.