Facebook blockt Bilder von berühmten Kunstwerken

Eyeing out Facebook’s art ban

Facebook ist eine der größten und produktivsten Social-Media-Plattformen der Welt. Als private Firma haben sie das Recht, bildliche Darstellungen, die sie als obszön oder schädlich erachten, zu entfernen. Allerdings gerieten Facebooks Algorithmen und die Gesamtheit seiner menschlichen Moderatoren in letzter Zeit unter Beschuss, da sie sich ausgesprochen unfähig zeigten, zwischen offensichtlichen Obszönitäten und wichtigen Kunstwerken der Geschichte zu unterscheiden.

In einem Fall blockte die Software ein Foto der Neptun-Statue, die im Zentrum der Piazza de Nettuno im italienischen Bologna steht. Der Grund für die Entfernung war, dass das Foto als “sexuell freizügig” eingestuft wurde.

Eine einheimische Verfasserin hat das Bild, das einen nackten Neptun mit einem Dreizack in der Hand zeigt, dazu benutzt, ihre Seite mit dem Titel “Geschichten und Ansichten von Bologna” zu illustrieren. Facebook blockte das Bild prompt mit der Begründung, dass es gegen die Leitlinien für Werbung verstoße.

Fehler im System

2017 wies Facebook einen Nutzer aus Norwegen an, das klassische, 1972 mit einem Pulitzer-Preis ausgezeichnete Foto “Terror of War” (“Schrecken des Krieges”) zu entfernen, auf dem ein nacktes Mädchen zu sehen ist, das vor den vernichtenden Napalmbombenangriffen in Vietnam davonläuft. Dieses Bild wurde in einem Post über ikonische Bilder, die den Lauf der Geschichte veränderten, verwendet. In diesem Fall behauptete Facebook, das Foto verstoße gegen Nacktheitsvorschriften, änderte jedoch später seine Meinung und erkannte die geschichtliche Bedeutung des Bildes an.

Etwas später gerieten Facebook-Algorithmen unter Beschuss, da sie nicht in der Lage waren, zwischen Pornografie und antiken Fundstücken zu unterscheiden. In diesem Beispiel wurde ein Bild von einer molligen Steinfigur mit breiter Hüfte und großen Brüsten gezeigt. Die “Venus von Willendorf”, die 1908 entdeckt wurde, ist eines der ältesten und wichtigsten Kunstwerke der Welt und befindet sich im renommierten Naturhistorischen Museum Wien.

Ist es Kunst oder ist es Pornografie?

Das Bild der Venus von Willendorf wurde entfernt, kurz nachdem es gepostet wurde, mit der Begründung, dass die nackte Figur für die Social-Media-Seite unangemessen sei. Und das trotz der Tatsache, dass Facebooks Richtlinien Gemälde und Skulpturen, die nackte Körper zeigen, erlauben. Laut des Naturhistorischen Museums hat sich noch nie ein Besucher über die Nacktheit der berühmten Statuette beschwert.

2015 wurde Facebook beschuldigt, Fotos der Statue der kleinen Meerjungfrau in Kopenhagen zu zensieren. Angeblich wurde das Bild entfernt, weil es zu viel nackte Haut enthielt und einen sexuellen Unterton hatte. Laut Facebook wird bei Nacktheit eingegriffen, wobei Bilder von Genitalien und nackten Hintern am häufigsten reguliert werden. Auch Bilder von weiblichen Brustwarzen sind verboten, außer wenn das Bild eine stillende Mutter oder die Narben nach einer Mastektomie zeigt. Wie es passieren konnte, dass ein Bild einer berühmten Statue entfernt wurde, ist besorgniserregend.

Forderungen nach schärferen Kontrollen von Fake News

Die Probleme mit der Überwachung und Entfernung von Inhalten, die von Facebooks 1,4 Milliarden Nutzern gepostet werden, gab weiter Anlass zum Zweifel, wie wirkungsvoll die Social-Media-Seite “Fake News” kontrollieren kann. Schon seit ungefähr einem Jahr fordern Aktivisten und Politiker Facebook immer wieder dazu auf, die Verbreitung von groben Fehlinformationen zu verringern und aufzuhalten. Außerdem verlangten sie von der Social-Media-Seite, dass sie bei der Entscheidung, was eine glaubwürdige Informationsquelle ist, die Initiative ergreifen, und jede Geschichte auf der Basis ihrer Vertrauenswürdigkeit bewerten.

Das Verbot von Werbung für Kryptowährung und damit verbundenen Posts haben uns bereits gezeigt, welche Auswirkungen solche Richtlinien haben können. Die Zeiten, in denen man etwa eine Werbung für Spielautomaten sehen konnte, die mit Bitcoin funktionierten, oder für die Möglichkeit, auf einer Kryptowährungs-Plattform zu handeln und Geld zu verdienen, sind längst vorbei.

Während Nutzer möglicherweise Probleme mit der Entfernung bestimmter Inhalte haben, verstärkt Facebook auf Grund des Drucks der Behörden seine Zensur immer weiter. Vor Kurzem gab es eine Empfehlung der EU-Kommission, nach der die großen Social-Media-Seiten mit Terrorismus verbundene Inhalte innerhalb 24 Stunden nachdem sie von den zuständigen Behörden darauf aufmerksam gemacht wurden löschen sollten. Soziale Medien müssen zusätzlich proaktiver darin sein, Hassreden und Pornografie zu entfernen.

Das Problem mit der Zensur

In den USA wurde ein Gesetz verabschiedet, das es ermöglicht, Webseiten wegen Posts von Sexarbeitern strafrechtlich zu verfolgen. Also, auf der einen Seite haben wir die Öffentlichkeit, die sich gegen Vorschriften und Algorithmen wehrt, die den Unterschied zwischen Kunst und Nacktheit nicht erkennen, und auf der anderen Seite haben wir die Behörden, die strengere Einschränkungen fordern. Wenn es so bleibt, wie es ist, erwarten uns sicherlich weitere Anstößigkeiten, wobei berühmte Gemälde, Skulpturen und Kunstwerke wegen ihres sexuellen Inhalts entfernt werden, während offensichtliche Pornografie, Hassreden und Terrorismus-Posts durch die Maschen schlüpfen.

Wie alle sich kontinuierlich entwickelnden Systeme hinken auch Facebook und seine Algorithmen einfach noch hinterher. Es ist vielleicht schlicht eine Frage der Zeit, bis die richtigen Abläufe eingerichtet sind, die es Moderatoren und der Software erlauben, genau zwischen dem “Guten” und dem “Schlechten” zu unterscheiden!

Bildquelle:

https://pixabay.com/en/eye-facebook-detail-macro-face-3245902/