Das Ende der Sommerzeit ist nah

Das Ende der Sommerzeit ist nah

Zweimal im Jahr drehen die Bürger zahlreicher Staaten an der Uhr. Am letzten Sonntag im März stellen sie die Uhr um eine Stunde vor, am letzten Sonntag im Oktober um eine Stunde zurück. Somit herrscht in den entsprechenden Ländern für ein halbes Jahr die Sommerzeit. Diese wurde einst eingeführt, um das Tageslicht optimal ausnutzen zu können. Allerdings wurde in jüngerer Vergangenheit die Kritik an der Sommerzeit immer lauter, da sie unter anderem den Biorhythmus durcheinanderbringt. Deshalb hat die Europäische Union im Juli und August 2018 eine Bürgerbefragung durchführen lassen, mit der sie die Meinung des Volkes zum Thema Sommerzeit ermitteln wollte.

Kurze Geschichte der Zeitumstellung

Immer Ende Oktober ist es soweit: Um drei Uhr morgens wird die Uhr um eine Stunde zurückgestellt. Das sorgt für eine Stunde mehr Schlaf, um Filme zu schauen oder sich am Spielautomaten zu vergnügen – ganz, wie man am liebsten die Nacht verbringt. Leider wird die Uhr Ende März auch wieder vorgestellt, was dann zu einer Nacht führt, die eine Stunde kürzer ist. Schon um 1900 kam erstmals die Idee auf, durch eine Zeitumstellung für einen geringeren Energieverbrauch zu sorgen. Umgesetzt wurde das Konzept dann im April 1916, als der Erste Weltkrieg für einen erhöhten Bedarf an Energie sorgte. Federführend waren das Deutsche Reich und Österreich-Ungarn, die meisten europäischen Länder folgten dem Beispiel. Nach dem Krieg schafften fast alle Staaten die Sommerzeit wieder ab, nur Großbritannien hielt dauerhaft daran fest. Während des Zweiten Weltkriegs wurden die Uhren erneut zweimal pro Jahr umgestellt. Im Jahr 1976 war es Frankreich, das dauerhaft einen Wechsel zwischen Sommer- und Winterzeit einführte. Bis 1981 gab es die Zeitumstellung in allen Ländern Mitteleuropas. Allerdings waren die jährlichen Termine unterschiedlich geregelt. Deshalb vereinheitlichte die EU die Zeitumstellung bis 1996. In einigen anderen Ländern der Welt gilt sie ebenfalls, zum Beispiel in Neuseeland, dem Iran und Kuba sowie Teilen der USA und Australiens.

Vor- und Nachteile der Zeitumstellung

Zeitumstellung
Quelle: Pixabay

Die Zeitumstellung wurde ursprünglich eingeführt, um Kosten für Energie einzusparen. Weil es ab Ende März abends eine Stunde länger hell ist, müssen die Straßenlaternen und die Lampen in den Häusern später eingeschaltet werden. Dieser Effekt hebt sich jedoch auf, wenn Ende Oktober die Sommerzeit beendet ist. Praktisch für den Alltag ist jedoch, dass die Menschen in der Sommerzeit eine Stunde länger im Freien aktiv sein können, bevor die Sonne untergeht. Als einen großen Nachteil betrachten Gegner der Zeitumstellung den Umstand, dass der menschliche Körper zweimal im Jahr seinen Biorhythmus massiv umstellen muss. Das senkt demnach nicht nur die Produktivität, sondern bringt den Hormonspiegel ins Schwanken. Für manche Kritiker ist diese Schwankung sogar für Erkrankungen verantwortlich. Ein weiterer Nachteil ist der Aufwand, der mit der Umstellung der Uhren einhergeht. Zwar stellen sich heutzutage die meisten Uhren automatisch um, ohne dass sich der Besitzer darum kümmern muss. Dennoch gibt es noch immer viele Geräte, die von Hand umgestellt werden müssen. Geschieht dies nicht, kann es später zu Verwirrungen kommen.

Die EU-Befragung

Anfang Februar 2018 bekam die EU-Kommission vom EU-Parlament den Auftrag, sich mit der Sinnhaftigkeit der Zeitumstellung zu befassen. Die Kommission führte daher zwischen Anfang Juli und Mitte August eine Online-Befragung durch, in der die Bürger der EU mehrere Fragen zum Thema Sommerzeit und Zeitumstellung beantworten konnten. Über 4,6 Millionen Menschen nahmen daran teil – mehr als je zuvor bei einer Befragung dieser Art. Ende August stellt die EU die Ergebnisse vor. Demnach sprachen sich 84 Prozent der Beteiligten für eine Abschaffung der Sommerzeit aus. Weil die Befragung nicht repräsentativ war, führt sie nicht automatisch zu einer Änderung der herrschenden Regelung. Allerdings legte die EU-Kommission dem Parlament nahe, eine mögliche Abschaffung der Zeitumstellung zu prüfen. Das ist jedoch nicht gerade einfach: Zunächst müssen mindestens 16 der 28 EU-Mitgliedsstaaten, in denen mindestens 65 Prozent der Einwohner der EU leben, mit einer Abschaffung der Sommerzeit einverstanden sein. Erst dann kann eine entsprechende Gesetzesänderung angegangen werden. Wann die in Kraft tritt, lässt sich nicht vorhersagen, es kann aber durchaus Jahre dauern. Inzwischen bringen sich auch die Befürworter der Sommerzeit in Stellung. So ist der Chronobiologe Till Roenneberg vom Institut für Medizinische Psychologie der Universität München der Meinung, dass eine dauerhafte Sommerzeit unter anderem zu Schlaf- und damit zu Lernproblemen bei Schülern führt. Welche Regelung letztlich die richtige ist, wird sich also wohl nie herausfinden lassen.